Wundervolles Ziel für Alleinreisende: Gibraltar und der Affenfelsen

Spontaner Besuch bei den Affen von Gibraltar

 

Ohne Plan einfach ab nach Gibraltar

Foto: Sabine Itting

Gibraltar – das war für mich Liebe auf den ersten Blick. Eigentlich war ich kurzfristig für einen Textauftrag nach Andalusien gekommen und hatte mich auf eine Woche unter Spaniens Sonne eingestellt. Es war Ende Januar, als ich in den Flieger nach Málaga stieg und die Region war zum Glück noch nicht so überlaufen.




Mein Ziel war eine Golfschule. Ich spiele zwar selber nicht Golf, aber man hatte mich als Texterin für eine Broschüre gebucht. Die Arbeit hatte ich nach zwei Tagen bereits erledigt, so blieb noch Zeit, die nähere Umgebung zu erkunden. Ich bin es gewohnt allein zu reisen, fahre aber nicht Auto. Deshalb war meine Ferienwohnung im Golfclub keine Option als Ausgangspunkt für Ausflüge.

Was aber mit den restlichen Tagen anfangen? Ich  musste ich mich entscheiden, was ich mir noch ansehen möchte: Málaga oder Granada vielleicht?

Gibraltar?! Kenn ich nicht …

Foto Sabine Itting

Dann wurde mir spontan eine Mitfahrgelegenheit Richtung Gibraltar angeboten. Von dem Zwergstaat wusste ich bis dahin fast nichts. Zum Googlen blieb auch keine Zeit, also stürzte ich mich unvorbereitet in dieses Abenteuer. Ein Zimmer fand ich in einem recht netten Hotel in der spanischen Grenzstadt La Linea. Das ist übrigens definitiv kein Ort, in dem ich als alleinreisende Frau Ferien machen würde. Die Kriminalität ist hoch, viele Einwohner leben vom Schmuggel. Die Grenze zwischen Spanien und dem Nachbar Gibraltar wird deshalb gut bewacht. Ohne Ausweis kann keiner passieren. Mitunter muss man sich für den Grenzübertritt auf sehr lange Wartezeiten einstellen. Wer mit dem Auto nach Gibraltar möchte, sollte in Spanien parkieren und ebenfalls zu Fuss die Grenze überqueren. Im Zwergstaat ist kein Platz.

Konflikte rund um Gibraltar

Foto: Sabine Itting

Nur 6,5 Quadratkilometer ist das kleine Land, welches einen totalen Kontrast zu seinem spanischen Nachbarort La Linea bildet, gross. Zwischen Nordafrika und Spanien gelegen, seit 300 Jahren zum Vereinigten Königreich gehörend, gibt es immer wieder Anlass für Konflikte. Da ist einerseits die strategisch wichtige Lage, anderseits die Situation seit dem geplanten Brexit – aber auf die politische Lage möchte ich nicht näher eingehen. Diese wird in der Presse ausreichend diskutiert. Wer sich dafür interessiert, findet ausführliche Artikel, die von Menschen geschrieben wurden, die sich intensiver damit befassen konnten und können, als ich.




Gibraltar: An- und Einreise

Ich kam also unvorbereitet hier an. Allein der erste Ausflug von La Linea nach Gibraltar war verwirrend. Wann stand ich zuletzt an einer Grenze Schlange und hatte keine Ahnung, ob ich einfach durchgewunken, oder, wie einige andere vor mir, beiseite genommen werde? Da wusste ich noch nicht, dass die, die Probleme bei der Einreise hatten, keine Touristen waren. Also, wenn ihr nach Gibraltar einreisen möchtet bringt einfach Zeit mit und eure Pässe. Aber keine Angst: Ihr dürft passieren! Die britischen Grenzkontrollen verliefen immer ohne Probleme und eigentlich sehr freundlich. Ein Grenzposten versuchte sogar, mit mir ein paar Worte auf Deutsch zu wechseln. Ich fühlte mich sicher und von sehr netten Menschen umgeben. Allerdings nur auf britischer Seite, nicht in Spanien.

Foto: Sabine Itting

Noch etwas ist zu beachten, wenn man nach Gibraltar reist, egal ob zu Fuss, mit dem Auto oder dem Flieger: Flugzeuge haben immer Vorfahrt. Tönt komisch? Ist aber so! Die Lande- und Startbahn am Felsen von Gibraltar kreuzt die einzige ins Land führende Strasse. Und diese wird auch von den Fussgängern benutzt. Spannend für Planespotter, von denen ich einer bin. Ein Nervenkitzel für Besatzung und Passagiere der britischen Airlines. Der Wind ist ziemlich unberechenbar und die Piste reicht bis ins Meer.

Eine Glocke kündigt die Strassensperrung an: Britisch Airways, Monarch oder Easy Jet sind im Anflug – bis der Flieger sicher angekommen ist, ruht der Verkehr.

Ein Tag in Gibraltar ist nicht genug

Man kann in Andalusien Tagesausflüge nach Gibraltar buchen, wo im Schnelldurchlauf vor allem der berühmte Affenfelsen besucht wird. Ich hatte 3 Tage Zeit von morgens bis abends den Zwergstaat zu erkunden und ins Herz zu schliessen. Wäre die Anreise nicht so umständlich, würde ich gerne ab und zu ein verlängertes Wochenende in der ehemaligen britischen Kronkolonie verbringen. Der kuriose Flughafen von Gibraltar wird aber nur von Grossbritannien aus und nur von britischen Airlines angeflogen.

Was man in Gibraltar unbedingt sehen und erleben muss

 

Fotos: Sabine Itting

 

    • Ein Brite sagte mir: Gibraltar bleibt so lange britisch, wie sich auf dem Upper Rock, dem berühmten Affenfelsen, die Berberaffen wohlfühlen. Dabei handelt es sich um Europas einzige wilde Affenkolonie. Die frechen Gesellen haben keine Angst vor Touristen und lassen diese schon mal spüren, wem der Felsen gehört. Aber solange kein Besucher auf die Idee kommt, Papa Affe zu ärgern, Mama zu streicheln oder die Kids zu füttern, sind sie friedlich und geduldig und gehen ihren alltäglichen Tätigkeiten nach: in der Sonne faulenzen, mit allem möglichen Kram, den sie finden können (leider auch mit Abfällen) zu spielen und träge in die Kameras der Touristen zu blinzeln. Es werden Ausflüge zum Upper Rock mit Kleinbussen angeboten. Die Fahrer haben die Affen längst angefüttert, sodass diese zur Belustigung der Reisegruppen auf die Autodächer springen und betteln und sich im wahrsten Sinne des Wortes «zum Affen machen».





Mein Tipp:
Lieber auf eigene Faust den Affenfelsen erkunden. Wer nicht hochwandern mag, nutzt die Seilbahn. (übrigens ein Schweizer Fabrikat, falls das wichtig sein sollte). Man braucht da oben definitiv keinen Reiseleiter.
Zur eigenen Sicherheit müssen Gibraltars Affen als das angesehen werden, was sie sind: wilde Tiere.

  • Nicht nur die Affen machen den Upper Rock zu einem einmaligen Ausflugsziel. Der Affenfelsen ist ein Naturschutzgebiet von einzigartiger Schönheit. Von den mehr als 100 Höhlen gilt die Michaels Cave als die berühmteste und verzeichnet rund 1 Million Besucher jährlich. In der Corham Höhle haben, wie archäologische Funde zeigen, bereits Neandertaler gelebt.
Foto: Sabine Itting
  • Der Botanische Garten Gibraltars ist für mich einer der schönsten, die ich je besucht habe. Er ist sehr gepflegt und beherbergt einheimische und fremde Pflanzen. Vor allem fallen die Aloe-Pflanzen auf. Bänke laden überall inmitten der Pflanzenpracht zum Verweilen ein. Der Eintritt ist gratis, Meerblick inklusive.
  • Der Süden Gibraltars bildet gleichzeitig Europas südlichsten Punkt. Nordafrika liegt in Sichtweite und der Leuchtturm ist seit 1841 bis heute in Betrieb. In der Nähe gibt es ein nettes Restaurant.
  • Natürlich kann man in Gibraltar auch baden. Als ich den Caleta-Strand entdeckte, war ich total verzaubert. Es war Winter und ausser ein paar englischen Rentnern kaum Touristen im Land. Der schöne kleine Caleta-Strand und die wärmenden Sonnenstrahlen gehörten mir. Das Meer hatte massenhaft grosse Jakobsmuscheln angespült, von denen heute einige in meinem Badezimmer liegen. Ich lies es mir nicht nehmen, eine Runde zu schwimmen, was die wenigen Spaziergänger offensichtlich irritierte. Es kam die übliche Frage: “German?” Sind wir wirklich so abgehärtet, oder eher verrückt? Ja, für die Einheimischen war Winter. Ja, ich bin Deusche und ja, wir gingen als Kinder ab 15 Grad in der Ostee baden. :-DWährend ich mich in La Linea gar nicht wohl fühlte und abends das Hotel nicht verliess, lag ich hier bis zum Sonnenuntergang und habe mich kaum irgendwo so entspannen können, wie an diesem herzigen Sandstrand in Gibraltar. Das kleine Land ist sicher.

    Strand in Gibraltar
    Foto: Sabine Itting

Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, gibt es auch ein Hotel direkt am Meer. Leider wusste ich das nicht, als ich mich in La Linea einquartierte. Ich hatte ja keine Ahnung von dem britischen Zwergstaat. Er war für mich wie eine Wundertüte. Eine Überraschung folgte der nächsten. So zum Beispiel auch das Lord Nelson, welches vegetarisches English Breakfast servierte, das sooo gut war. 😊 Von der britischen Küche hatte ich als Vegetarierin eigentlich gar nichts erwartet. Aber die Auswahl war insgesamt überraschend, also hungrig musste ich keineswegs bleiben!

Natürlich kann man noch viel mehr in Gibraltar unternehmen: günstig shoppen, Bootstouren buchen und mit etwas Glück Delfine und scheinbar sogar Wale sehen, durch die Gassen schlendern, das Gibraltar-Museum besuchen, in dem ihr die interessante Geschichte des liebenswerten kleinen Staates kennenlernt. Wer weiss, was ihm die Zukunft bringen mag …

Sabine Itting